# Feste feiern, ohne Kinder festzulegen: Feiertage vielfaltssensibel gestalten

> Quelle: https://vielfalt-begleiten.nrw/blog/feste-vielfaltssensibel-feiern/
> Aktualisiert: 2026-08-27T21:28:29+00:00

Kurz vor dem Zuckerfest fragt eine Kollegin im Team: „Sollten wir nicht Elif fragen, ob sie uns etwas über das Fest erzählt? Ihre Familie feiert das doch sicher." Die Frage ist gut gemeint, trifft aber genau den Punkt, an dem vielfaltssensible Festgestaltung kippen kann: Elif wird plötzlich zur Expertin für ein ganzes Fest gemacht, nur weil ihr Name auf eine bestimmte Herkunft schließen lässt, ganz unabhängig davon, ob ihre Familie das Fest überhaupt feiert oder ob Elif selbst gerade Lust hat, davon zu erzählen.

Feste und Feiertage sind eine der schönsten Gelegenheiten, um Vielfalt im Kita- und OGS-Alltag erlebbar zu machen. Sie sind aber auch eine der Situationen, in denen Kinder am schnellsten auf eine vermeintliche Herkunft festgelegt werden. Wie Sie Feste so gestalten, dass alle Kinder etwas davon haben, ohne einzelne Kinder zu Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Kultur zu machen, zeigt dieser Beitrag.

## Warum Feste eine pädagogische Chance sind

Feste, Rituale und Traditionen bieten nachhaltige Erfahrungen, die zur Reflexion anregen. Das nifbe beschreibt sie in seinem Beitrag [„Kulturelle und religiöse Vielfalt"](https://nifbe.de/fachbeitraege/kulturelle-und-religioese-vielfalt/) deshalb als „besonders geeignet für die konstruktive Annahme kultureller und religiöser Vielfalt". Religiöse und kulturelle Vielfalt ist demnach ein normales Merkmal heutiger Kindertageseinrichtungen, keine Ausnahme, mit der man umgehen müsste.

Auch die [Bildungsgrundsätze für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Nordrhein-Westfalen](https://www.kita.nrw.de/bildungsgrundsaetze-fuer-kinder-von-0-bis-10) beschreiben Vielfalt als Herausforderung und Chance zugleich: Unterschiede eröffnen Kindern die Möglichkeit, andere Lebensweisen kennenzulernen, Vorurteile abzubauen und die eigene Umwelt differenzierter wahrzunehmen. Feste sind dafür ein besonders anschaulicher Anlass, weil sie mit Musik, Essen, Geschichten und Ritualen viele Sinne ansprechen.

## Der Unterschied zwischen Feiern und Festlegen

Vielfaltssensibel zu feiern bedeutet nicht, dass jedes Kind mit familiärem Bezug zu einem Fest automatisch dazu Auskunft geben oder etwas mitbringen muss. Das nifbe fordert an dieser Stelle einen „vorurteilsbewussten" Zugang, bei dem jedes Kind „als einzigartiges Individuum" wahrgenommen wird, nicht als Vertreterin oder Vertreter einer Gruppe. Das bedeutet zum Beispiel: Ein Kind mit familiären Wurzeln in der Türkei kennt Zuckerfest-Bräuche möglicherweise gut, vielleicht aber auch gar nicht, seine Familie feiert vielleicht anders oder gar nicht religiös. Beides ist völlig in Ordnung.

Auch aus Kinderrechtsperspektive ist das kein Nebenaspekt: Die UN-Kinderrechtskonvention hält fest, dass Kinder ein Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit haben, wie es auf der Seite [„Umgang mit verschiedenen Religionen in Kitas"](https://www.fruehe-chancen.de/themen/integration-und-inklusion/informationen-zur-kindertagesbetreuung-in-deutschland/gleicher-zugang-zu-kindertagesbetreuung-1) des Bundesprogramms frühe Chancen beschrieben wird. Das schließt das Recht ein, zu einem Fest nichts beitragen zu müssen, es anders zu feiern als erwartet, oder es gar nicht zu feiern. Vermeiden Sie deshalb auch Formate, die auf eine einzelne „Länderwoche" oder ein Herkunftsland-Plakat hinauslaufen: Solche Formate wirken schnell folkloristisch und rücken Unterschiede in den Vordergrund, statt sie beiläufig in den Alltag einzubetten.

Der gleiche Gedanke gilt in die andere Richtung: Auch Familien, die kein Weihnachten oder Ostern feiern, sollen sich nicht rechtfertigen müssen, wenn ihr Kind beim Krippenspiel oder Osterfrühstück nicht mitmacht. Ein Angebot bleibt ein Angebot, keine Pflicht, in beide Richtungen. Das gilt genauso für die OGS, wo Kinder oft aus deutlich mehr unterschiedlichen Kitas und Elternhäusern zusammenkommen als in einer einzelnen Kitagruppe, und entsprechend selten alle dieselben Feste auf dieselbe Art kennen.

## So planen Sie das Festjahr vielfaltssensibel

- **Fragen Sie alle Familien freiwillig und schriftlich zu Jahresbeginn**, welche Feste sie feiern und ob sie etwas davon in der Einrichtung teilen möchten, statt einzelne Kinder im laufenden Jahr spontan anzusprechen.
- **Planen Sie das Festjahr im Team im Voraus** und tragen Sie neben Weihnachten und Ostern auch Feiertage wie Zuckerfest, Chanukka oder Diwali ein, unabhängig davon, ob aktuell ein Kind mit entsprechendem familiären Hintergrund in der Gruppe ist.
- **Erzählen Sie Feste über Geschichten, Bilderbücher und Lieder**, statt sie ausschließlich von einzelnen Kindern oder Familien „erklären" zu lassen.
- **Laden Sie Familien aktiv ein, statt Kinder zu verpflichten.** Wenn eine Familie ihre Bräuche gern teilt, ist das ein Geschenk an die Gruppe, keine Pflichtaufgabe für ihr Kind.
- **Achten Sie bei gemeinsamen Mahlzeiten rund um Feste auf religiöse und kulturelle Essensregeln**, etwa beim Verzicht auf Schweinefleisch, ohne daraus eine große Sache zu machen.
- **Bleiben Sie neutral gegenüber allen Religionen und Weltanschauungen**, auch gegenüber Familien ohne religiöse Bindung. Niemand muss überzeugt oder bekehrt werden, es geht um Kennenlernen, nicht um Missionierung.

## Prüfliste, bevor Sie ein Fest gestalten

- Habe ich ein Kind zu einer Aussage über „seine" Kultur gedrängt, statt es einfach zu fragen, ob es mag?
- Basiert meine Information über das Fest auf einer verlässlichen Quelle oder nur auf Vermutungen?
- Haben auch Kinder ohne familiären Bezug zum Fest eine aktive Rolle, statt nur zuzuschauen?
- Wirkt die Gestaltung wertschätzend oder eher wie ein exotisierendes Kostümfest?
- Wurden Eltern vorab informiert und nicht erst am Tag selbst überrascht?
- Hätte ich mit dieser Gestaltung auch dann ein gutes Gefühl, wenn keines der beteiligten Kinder heute anwesend wäre?

Diese letzte Frage ist ein guter Test: Wenn ein Fest nur „funktioniert", weil ein bestimmtes Kind gerade zufällig da ist und aushilft, ist es keine gute Grundlage für ein wiederkehrendes Format in Ihrem Festjahr. Ein Fest, das ohne diese Abhängigkeit trägt, tragen in der Regel auch die Jahre danach, wenn die Zusammensetzung Ihrer Gruppe sich längst wieder verändert hat.

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## Ihr nächster Schritt

Nehmen Sie sich in der nächsten Teamsitzung zwanzig Minuten Zeit, um gemeinsam ein Festjahr für die kommenden zwölf Monate zu skizzieren, orientiert an den Familien, die tatsächlich in Ihrer Gruppe sind. Passende Gesprächs- und Kreativimpulse zum Kennenlernen anderer Feste und Bräuche finden Sie im [Praxisideen-Finder unter dem Thema interkultureller Austausch](https://vielfalt-begleiten.nrw/praxisideen-finder/?thema=interkultureller%20Austausch). Wenn in Ihrem Team unterschiedliche Vorstellungen darüber bestehen, wie viel Religion in die Einrichtung gehört, hilft oft ein moderiertes Gespräch, das Ihre Integrationsbegleiterin begleiten kann, Kontakt dazu finden Sie auf unserer [Kontaktseite](/kontakt/).
