Ein Montagmorgen in einer Gelsenkirchener Kita: Ein Vater bringt seine Tochter, die erst vor wenigen Wochen mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen ist. Er spricht wenig Deutsch, die Anmeldeunterlagen wirken wie eine Fremdsprache in der Fremdsprache, und die pädagogische Fachkraft hat gerade noch fünf weitere Kinder im Blick. Genau in solchen Momenten setzen Integrationsbegleiterinnen an: Sie übersetzen nicht nur Wörter, sondern auch Abläufe, Erwartungen und Unsicherheiten, auf beiden Seiten.
In Gelsenkirchen übernimmt diese Aufgabe die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop. Als einer von 13 Standorten in Nordrhein-Westfalen gehört die Stadt zum Netzwerk von Vielfalt begleiten, und sie bringt dafür eine Geschichte mit, die Zuwanderung nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall kennt.
Gelsenkirchen: gewachsen durch Zuwanderung
Die Stadt Gelsenkirchen erzählt ihre eigene Geschichte auf der städtischen Themenseite zur Zuwanderung ganz offen: Aus einer nahezu unbewohnten Emscherzone wurde die Stadt durch mehrere Zuwanderungswellen zu einem Industriezentrum. Bis heute beschreibt Gelsenkirchen seine Bevölkerung als bunt gemischt, geprägt von Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Generationenerfahrung und unterschiedlicher Lebensweise. Die Stadt räumt dabei ehrlich ein, dass das Zusammenleben nicht immer konfliktfrei verläuft, macht aber ebenso deutlich: Vielfalt gehört seit Generationen zum Alltag, nicht zur Ausnahme.
Für Kitas und die Offene Ganztagsschule (OGS) bedeutet das: Fachkräfte begegnen hier täglich Familien mit ganz unterschiedlichen Zuwanderungsgeschichten, von langjährigen Gelsenkirchener Familien mit Zuwanderungsgeschichte bis zu Familien, die erst vor kurzem geflüchtet sind. Genau dafür braucht es Menschen, die zwischen beiden Welten vermitteln können.
Der Träger vor Ort: AWO Unterbezirk Gelsenkirchen/Bottrop
Die AWO Gelsenkirchen/Bottrop gliedert ihre Arbeit in sechs Bereiche: Beratung & Integration, Quartier & Soziales, Kinder, Jugend & Familie, Gleichstellung & Weiterbildung, Senioren sowie Reisen. Für die Qualifizierung von Integrationsbegleiterinnen sind vor allem zwei dieser Bereiche wichtig.
Im Bereich Kinder, Jugend & Familie betreibt der Verband eigene Kindertageseinrichtungen und organisiert bereits seit 2003 die Offene Ganztagsschule, inzwischen an rund 18 Grundschulen und weiterführenden Schulen in Gelsenkirchen, darunter auch Gymnasien. Ergänzt wird das Angebot durch ambulante Erziehungshilfen, Jugend- und Familienberatung sowie die Jugendgerichtshilfe.
Im Bereich Beratung & Integration arbeitet die Integrationsagentur der AWO: Sie fördert interkulturelle Begegnungen, unterstützt Einrichtungen bei der interkulturellen Öffnung und erstellt jährliche Sozialraumanalysen, um Bedarfe vor Ort zu erkennen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Kita-Alltag und Integrationsarbeit setzt die Qualifizierung zur Integrationsbegleiterin an.
Was die Qualifizierung hier bewirkt
Die Idee hinter Vielfalt begleiten ist einfach und wirkungsvoll zugleich: Frauen mit eigener Flucht- oder Migrationserfahrung werden zu Integrationsbegleiterinnen qualifiziert und unterstützen anschließend die pädagogischen Fachkräfte in Kita und OGS. Sie übersetzen, vermitteln zwischen Familien und Einrichtung und sind für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte oft die erste vertraute Ansprechperson im neuen Alltag.
Begonnen hat das Modellprojekt 2017 bei der AWO Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld. Seitdem sind daraus, über zehn Schulungsrunden hinweg, 579 qualifizierte Integrationsbegleiterinnen an 13 Standorten und bei 9 Schulungsanbietern in ganz NRW geworden, Gelsenkirchen ist einer davon. Gefördert wird das Programm vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, das die Qualifizierung von Integrationsbegleiterinnen in Kitas bereits seit 2016 unterstützt. Heute führt eine landesweite Transferstelle bei den Grone-Bildungszentren NRW das Projekt fort und trägt Curriculum, Erfahrung und Qualitätsstandards in weitere Regionen, inzwischen auch in die Offene Ganztagsschule.
Für die AWO Gelsenkirchen/Bottrop passt das gut zur eigenen Ausrichtung: Wo Integrationsagentur und Kita-Träger ohnehin schon unter einem Dach arbeiten, können Integrationsbegleiterinnen ihre Wirkung in beide Richtungen entfalten, für Familien, die Orientierung brauchen, und für Teams, die spürbar entlastet werden.
Jetzt Kontakt aufnehmen
Sie arbeiten in einer Kita oder OGS in Gelsenkirchen oder Bottrop und überlegen, ob eine Integrationsbegleiterin Ihr Team unterstützen könnte? Oder Sie bringen selbst Migrations- oder Fluchterfahrung mit und interessieren sich für die Qualifizierung? Über unsere Kontaktseite erreichen Sie das Team von Vielfalt begleiten direkt.
Einen Überblick über alle 13 Standorte und Trägerpartner in NRW finden Sie auf unserer Startseite unter Unsere Standorte.

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