An einer Schule im Kreis Herford sitzen in der OGS-Gruppe Kinder, deren Familien aus der Ukraine, aus Syrien oder dem Irak zugewandert sind, gemeinsam mit Kindern, deren Familien seit Generationen hier leben. Das ist im Kreis Herford längst Alltag: Mehr als 29.100 Kinder und Jugendliche besuchen hier Schulen, rund 4.000 von ihnen kommen aus anderen Ländern, die größten Gruppen stammen aus der Ukraine, aus Syrien und dem Irak.
Für Kitas, OGS-Teams und Integrationsbegleiterinnen bedeutet das, jeden Tag mit unterschiedlichen Sprachen, Fluchtgeschichten und Familienkulturen zu arbeiten. Träger der Qualifizierung ist am Standort Herford die AWO Ostwestfalen-Lippe (AWO OWL). Wie der Kreis tickt und was die AWO dort konkret anbietet, zeigt dieser Beitrag.
Kreis Herford: wachsend und vielfältiger
Der Kreis Herford zählt rund 250.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ist damit deutlich kleinteiliger organisiert als das benachbarte Bielefeld: Er besteht aus mehreren Städten und Gemeinden, darunter Herford, Löhne, Enger, Bünde und Kirchlengern. Bemerkenswert ist die Bevölkerungsentwicklung: Während die Einwohnerzahl in Nordrhein-Westfalen insgesamt und im Regierungsbezirk Detmold zuletzt zurückging, wuchs der Kreis Herford nach eigenen Angaben um 0,9 Prozent und war damit der einzige Kreis in Ostwestfalen-Lippe mit einem Bevölkerungszuwachs. Innerhalb des Kreises fiel das Wachstum unterschiedlich aus, etwa in Enger mit plus 2,2 Prozent und in der Stadt Herford mit plus 1,9 Prozent, während Löhne als einzige Stadt im Kreis leicht schrumpfte.
Im Dezember 2024 hat der Kreistag zudem beschlossen, der Charta der Vielfalt beizutreten, einer bundesweiten Initiative, der bereits mehr als 6.000 Unternehmen und Institutionen angehören. Der Kreis verpflichtet sich damit, Arbeitsumfelder zu schaffen, die frei von Vorurteilen sind und Beschäftigte unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung wertschätzen. Für die pädagogische Praxis in Kitas und OGS ist das ein sichtbares Signal: Vielfalt ist im Kreis Herford kein Randthema, sondern wächst mit der Bevölkerung mit.
Die AWO Ostwestfalen-Lippe als Trägerin
Für den Standort Herford ist wie für vier weitere Standorte des Projekts die AWO Ostwestfalen-Lippe zuständig. Der Sozialverband ist Teil der Arbeiterwohlfahrt, die seit 1919 besteht, und beschäftigt in der Region nach eigenen Angaben mehr als 6.500 Menschen in rund 300 Einrichtungen und Diensten. Rund 2.150 Ehrenamtliche engagieren sich zusätzlich in 90 Ortsvereinen. Ihr Selbstverständnis beschreibt die AWO OWL so: „Die AWO macht sich stark für eine soziale und gerechte Gesellschaft, für Demokratie und Menschenwürde, für Offenheit und Toleranz, für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.“
Neben Bielefeld, Gütersloh, Minden-Lübbecke und Lippe zählt der Kreis Herford zu den Regionen, in denen die AWO OWL aktiv ist, dort unter anderem mit Kindertageseinrichtungen und Familienzentren, die zusammen mit den übrigen Standorten mehr als 440 Gruppen umfassen, sowie mit Angeboten für ältere Menschen, Beratungsstellen und der Integrationsarbeit, aus der auch die Qualifizierung zur Integrationsbegleiterin hervorgegangen ist.
AWO-Kitas in Herford: von der Stadt bis aufs Land
Wie unterschiedlich der Alltag im Kreis Herford aussehen kann, zeigen zwei AWO-Einrichtungen. Das AWO Familienzentrum Frieda Nadig in der Stadt Herford bietet in zwei Gebäuden Platz für bis zu 122 Kinder im Alter von vier Monaten bis sechs Jahren. Es beteiligt sich am Bundesprogramm „Sprach-Kitas“, betreibt zweimal wöchentlich eine Kinderbibliothek mit Unterstützung von Vorschulkindern und begleitet den Übergang in die benachbarte Grundschule gemeinsam mit einem Stadtteilcoach.
Ganz anders liegt die AWO Kita Eickum: Sie befindet sich im ländlichen Raum von Herford und bietet bis zu 73 Kindern eine naturnahe, kindgerechte Atmosphäre in vier Gruppen. Räume und Außengelände wurden hier bewusst nach den Interessen und Ideen der Kinder gestaltet, die Sprachförderung ist alltagsintegriert und wird fortlaufend beobachtet und dokumentiert. Beide Einrichtungen arbeiten inklusiv, das heißt, Kinder mit und ohne Behinderung werden gemeinsam betreut.
Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Stadt und Land, zwischen Neuzuwanderung und langjährig ansässigen Familien, setzt die Qualifizierung zur Integrationsbegleiterin an: Sie bringt Frauen mit eigener Migrationserfahrung in genau solche Teams, damit Kinder und Eltern gleichermaßen ankommen können.
Möchten Sie mehr über die Qualifizierung am Standort Herford erfahren oder direkt Kontakt aufnehmen? Schreiben Sie uns über unser Kontaktformular. Einen Überblick über alle 13 Standorte und Trägerinnen des Projekts finden Sie auf unserer Standortkarte.

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