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Eine neue Schulungsrunde aufbauen, was Maßnahmeträger vorher klären sollten

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Es ist kurz vor zwölf, das Netzwerktreffen läuft seit zwei Stunden, und eigentlich sind alle schon beim Kaffee. Dann stellt eine Fachbereichsleiterin aus einem Bildungsträger ihre Frage einfach in die Runde: „Könnten wir so eine Schulung eigentlich auch bei uns anbieten?“ Sie bekommt fünf Antworten. Eine Kollegin sagt, entscheidend sei die Förderung. Jemand anders meint, das Schwierige seien die Teilnehmerinnen, die müsse man erst einmal finden. Der Dritte sagt, ein Curriculum schreibe sich nicht von allein. Und die Kita-Leitung am Ende des Tisches sagt trocken: „Plätze hätten wir sofort.“

Alle fünf haben recht. Keine dieser Antworten ist für sich genommen vollständig, und genau daran scheitern Vorhaben manchmal, bevor sie richtig begonnen haben: Ein Träger klärt zuerst die Finanzierung, dann die Räume, dann den Unterricht, und stellt drei Wochen vor Praktikumsbeginn fest, dass ihm zwölf Einrichtungen fehlen.

Eine Schulungsrunde für Integrationsbegleiterinnen besteht aus vier Bausteinen, die parallel wachsen müssen. Wer sie kennt, kann seriös einschätzen, ob und wann ein Start am eigenen Standort realistisch ist.

Niemand fängt bei null an

Das Gute an diesem Projekt ist sein Alter. Es ist kein Konzeptpapier. Es ist seit fast zehn Jahren erprobte Praxis. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Modellprojekt „Integrationsbegleiterinnen in Kitas“ seit 2016 gemeinsam mit der Auridis Stiftung, durchgeführt hat es zunächst die AWO Ostwestfalen-Lippe. 2017 startete in Bielefeld die erste Schulungsrunde. Seitdem sind zehn Runden gelaufen, 579 Frauen wurden qualifiziert, an inzwischen 13 Standorten und mit neun Schulungsanbietern. Die Zahlen und die Entwicklungsschritte haben wir unter „Über das Projekt“ zusammengestellt.

Für einen neu interessierten Träger heißt das vor allem eins: Das Curriculum ist da. Die Materialien sind da. Die Erfahrung aus zehn Durchgängen liegt vor, inklusive der Fehler. Die Transferstelle gibt beides weiter, das Konzept und die Einschätzung, was an einem Standort funktioniert und was erfahrungsgemäß knirscht. Sie moderiert außerdem die Arbeitskreise, in denen sich die bestehenden Standorte abstimmen, damit die Qualifizierung überall vergleichbar bleibt. Wer die Standorte kennenlernen möchte, findet sie im Beitrag über das Netzwerk der 13 Standorte.

Die vier Bausteine

1. Teilnehmerinnengewinnung

Gesucht werden Frauen mit eigener Zuwanderungs- oder Fluchtgeschichte, die mit Kindern arbeiten möchten und sich auf Deutsch verständigen können. Sie kommen selten über Stellenanzeigen. Sie kommen über Menschen, die sie kennen: über die Integrationsbeauftragte der Kommune, über Familienzentren, Sprachkursträger, Migrantenselbstorganisationen, Beratungsstellen, manchmal über eine Erzieherin, die eine Mutter aus ihrer Gruppe anspricht.

Ein Hinweis, der leicht untergeht: Diese Frauen sind keine Fälle, die man verwaltet. Sie sind Kolleginnen in spe, viele mit Berufserfahrung aus ihrem Herkunftsland und mit einer Perspektive auf Familien, die einem Team sonst fehlt. Wie man sie in der Sprache anspricht, entscheidet oft schon darüber, wer sich meldet.

2. Curriculum und Unterricht

Der Ursprungsträger AWO OWL beschreibt seine Qualifizierung als siebenmonatigen Kurs aus einer Unterrichtsphase und einem anschließenden Praktikum in Kitas und OGS. Inhaltlich geht es um den Umgang mit Kindern und Eltern, die Bildungsgrundsätze des Landes, Kinderrechte und die Sprachmittlung für Familien, die noch kein Deutsch sprechen. Diese Struktur ist die Grundlage, auf der alle Standorte arbeiten. Wie eine Runde im Detail abläuft, beschreibt der Beitrag zum Ablauf der Qualifizierung.

Zu klären ist an dieser Stelle weniger das Was als das Wer: Welche Dozentinnen und Dozenten stehen zur Verfügung, wer bringt Praxiserfahrung aus der Kita mit, und wer unterrichtet so, dass Frauen mit unterschiedlichem Sprachstand mitkommen.

3. Praxisplätze

Jede Teilnehmerin braucht eine Einrichtung, die sie über Monate begleitet. Gemeint ist mehr als Zuschauen: Die Teilnehmerin läuft im Alltag mit und hat dabei eine feste Ansprechperson im Team. Zu diesem Baustein weiter unten mehr, denn hier liegt die häufigste Stolperstelle.

4. Begleitung

Während der Praxisphase treffen sich die Teilnehmerinnen regelmäßig in Praxisbegleitkreisen. Dort wird besprochen, was in den Einrichtungen passiert ist, und zwar auf beiden Seiten: Frauen, die zum ersten Mal in einem deutschen Kita-Team arbeiten, erleben Situationen, die sie einordnen müssen, und Teams erleben eine neue Kollegin, deren Rolle sie erst verstehen lernen. Diese Runden sind der Ort, an dem aus Schulung Berufspraxis wird.

Dazu gehört auch die Zeit nach dem Abschluss. Eine Runde endet nicht mit dem Zertifikat, sondern mit der Frage, wo die Frauen anschließend arbeiten und wer sie dort einarbeitet. Was Einrichtungen dafür brauchen, steht im Beitrag zur Einarbeitung einer Integrationsbegleiterin.


Die häufigste Stolperstelle: Praxisplätze zu spät

Kaum ein Standort scheitert am Curriculum. Aber viele geraten in Zeitnot, weil die Praxisplätze zuletzt angegangen werden. Der Denkfehler ist verständlich: Kitas suchen händeringend Unterstützung, also wird es doch wohl Plätze geben.

Nur ist eine Zusage im Sommer nicht dasselbe wie ein Platz im November. Bis dahin ist die Kollegin, die zugesagt hat, vielleicht in Elternzeit, das Team unterbesetzt, die Leitung gewechselt. Ein Praxisplatz ist erst dann einer, wenn drei Dinge feststehen: die Einrichtung, eine namentlich benannte Ansprechperson im Team, und die Zeit, die diese Person für Anleitung tatsächlich hat.

Praktisch heißt das: Sprechen Sie mit deutlich mehr Einrichtungen, als Sie Plätze brauchen, und beginnen Sie damit, bevor die erste Teilnehmerin unterschrieben hat. Halten Sie die Zusagen schriftlich fest, mit Namen, Zeitraum und Umfang. Und laden Sie die Leitungen einmal gemeinsam ein, bevor es losgeht. Ein Nachmittag, an dem alle die gleiche Erklärung hören, erspart später zwanzig Einzelgespräche über dieselbe Frage.

Was vor Ort geklärt sein sollte

Bevor ein Träger ein Startdatum nennt, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf diese Punkte:

  • Kooperationszusagen: Wie viele Einrichtungen haben verbindlich zugesagt, und reicht das mit Puffer für die geplante Gruppengröße?
  • Ansprechpersonen: Steht in jeder Einrichtung eine Person mit Namen fest, die anleitet, und weiß das Team davon?
  • Sprachniveau: Welche Deutschkenntnisse setzen Sie voraus, wie stellen Sie das im Aufnahmegespräch fest, und was bieten Sie Frauen an, die knapp darunter liegen?
  • Kinderbetreuung: Viele Teilnehmerinnen haben selbst kleine Kinder. Passen Unterrichtszeiten zu Betreuungszeiten, und wer hilft bei der Platzsuche?
  • Wege: Sind Unterrichtsort und Praxisplätze mit dem Nahverkehr in vertretbarer Zeit erreichbar?
  • Zulassung: Wer die Schulung als arbeitsmarktpolitische Maßnahme anbieten möchte, braucht laut Bundesagentur für Arbeit sowohl eine Träger- als auch eine Maßnahmezulassung. Erteilt werden diese nicht von der Agentur selbst, sondern von fachkundigen Stellen.
  • Finanzierung: Das Ministerium weist darauf hin, dass die Qualifizierungsmaßnahme durch die Jobcenter und Agenturen für Arbeit gefördert werden kann. Wie das in Ihrem Bezirk konkret läuft, klären Sie am besten früh im direkten Gespräch vor Ort.

Zwei dieser Punkte lassen sich in einer Woche klären, die anderen brauchen Monate. Deshalb die unspektakuläre, aber verlässliche Reihenfolge: erst reden, dann rechnen, dann terminieren.

Ihr nächster Schritt

Wenn Sie überlegen, eine Schulungsrunde an Ihrem Standort aufzubauen, führen Sie zuerst ein Gespräch mit uns, bevor Sie intern planen. Wir sagen Ihnen, was an vergleichbaren Standorten funktioniert hat, welche Unterlagen wir Ihnen zur Verfügung stellen können und wen Sie in Ihrer Region ansprechen sollten. Förderbedingungen und Zuständigkeiten ändern sich, deshalb ist ein aktuelles Gespräch mehr wert als jede Übersicht, die wir hier aufschreiben könnten.

Schreiben Sie uns über die Kontaktseite, gern mit zwei Sätzen dazu, in welcher Region Sie arbeiten und wie viele Einrichtungen Sie bereits im Blick haben. Das reicht für den Anfang.

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